Rasterkorn - Marlis Bühn

Am Anfang meines Weges


Ich heiße Marlis Bühn, bin 1960 in Thüringen geboren und in Dresden, Kairo und Berlin aufgewachsen. Mit 20 habe ich mit meinem Sohn die DDR verlassen und lebe seit fast 20 Jahren in Köln.

Die Verwandlung eines Traums

portrait von karten büttner
Als junges Mädchen träumte ich davon, Kunst zu studieren und Malerin zu werden. Das bedeutete mir viel, doch es sollte alles ganz anders kommen.
Studieren durfte ich in der DDR nicht und nach meiner Ausreise brauchte ich Zeit und Energie mich neu zu orientieren. Ich hatte nicht gelernt zu fragen, was ich will und war überwältigt von der neuen Freiheit, die ich jedoch nicht zu nutzen wußte. Ruhe zum Malen blieb mir da nicht.
Ich studierte Pädagogik. Auf der Suche nach kreativem Ausgleich, entdeckte ich zufällig Fotoseminare an der benachbarten Fachhochschule. Fotografieren! Das war´s!
In zehn Semestern eignete ich mir die wichtigsten Grundlagen der Fotografie an. Technik, Bildgestaltung und Laborarbeit. Inzwischen fotografiere ich 30 Jahre, zehn davon als freiberufliche Fotojournalistin in Köln.

Nach Lust und Laune experimentieren


Viele Jahre habe ich meine Fotos im eigenen Schwarz-Weiß-Labor vergrößert. Habe die Nächte mit experimentieren verbracht und mich mit Technik, Belichtung und der Wirkung von Bildern auseinander gesetzt. Inzwischen fotografiere ich nur noch digital und bearbeite meine Bilder mit Adobe Photoshop.

Hier fühle ich mich frei, hier darf ich sein


Ich fotografiere, was mich emotional berührt. Im Wesentlichen ist es das Licht. Denn das entscheidet über die Qualität von Farben und läßt Strukturen und Formen hervortreten oder auch verschwinden. Ein außergewöhnliches Foto ist immer eins, was mehr ist, als eine reine Dokumentation. Minor White hat das so ausgedrückt: "wir fotografieren etwas aus zwei Gründen: weil es ist, was es ist und was es noch alles ist."
Für Kunden fotografiere ich meist Portraits oder Reportagen. Persönlich liebe ich jedoch Räume, Stillleben und Natur.

Immer auf der Suche


Am stärksten berührt mich Verlust, Einsamkeit, Veränderung, Wachstum und Vergänglichkeit. Viele Motive stehen symbolisch für diese Themen. Ich sehne mich nach Stille und Intensität. Sie entsteht, wenn ich ganz und gar im Augenblick präsent bin. Der Auslöser verbindet Erinnerung und Gegenwart, die wenige Sekunden später bereits schon wieder Vergangenheit ist. Nur das Bild legt Zeugnis darüber ab.

Jeden Tag ein bisschen besser werden


Um ein „gutes“ Foto machen zu können, braucht es verschiedene Zutaten: Eine geeignete Ausrüstung, richtiges Licht, einen interessanten Ort, Präsenz und ein gutes Gespür für den richtigen Moment. Fotografieren ist für mich tägliches Wahrnehmungstraining. Viele Momente zeigen sich nur sehr flüchtig. Ich muss sie bereits erahnen können, noch bevor sie sich ganz zeigen, um im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken.

Mein Leben kann ich mir ohne Fotografie nicht mehr vorstellen. Das Fundament, auf dem ich stehe, ist meine Leidenschaft und der unbedingte Wille jeden Tag ein Stück besser zu werden. Ich fotografiere nicht, weil ich es kann, sondern weil ich es nicht bleiben lassen kann.

Fotografen, deren Bilder stark beeindrucken
Portrait von Karsten Büttner

»Klar war die Ausrüstung teuer und ich mache keine besseren Bilder dadurch. Aber ich habe jetzt mehr Spaß an meinen schlechten Bildern.«



Heiko Kanzler